Die Untere Neustift

Die Untere Neustift ist ein uralter Stadtteil Badens, welcher ca. 1280 von Frau Diemut von Baden gegründet wurde. Sie war eine überaus geschäftstüchtige Frau die auch noch nach ihrem Tod (ca. 1308) respektvoll als "die ehrbare Altfrau von Baden" bezeichnet wurde. Das Haus mit der Nr. 26, in dem nun die "Praxis zur Unteren Neustift" gegründet wurde, hatte bereits vor mehr als 700 Jahren eine besondere Bedeutung, da vor diesem Haus der damalige Dorfbrunnen angelegt war - abgeleitet vom Aufbau eines Brunnens, dem Brunngalgen, erhielt das Haus den Namen "Brunngalgenrei" - "rei" bedeutet laut mittelhochdeutschem Wörterbuch "Reihe, Tanz, Reigen oder Melodie" - vielleicht fanden also hier an bestimmten Tagen Volksfeste mit Reigentänzen um den Brunnen herum statt. Die halbkreisförmig eingezogene Fassade des Hauses, die das Plätzchen für den längst verschwundenen Brunnen freihält, erinnert auch heute noch an längst vergangene Zeiten.

Die untere Neustiftgasse - und da gerade die rechte Straßenseite mit den geraden Nummern - hat über alle Zerstörungen und Modeströmungen hinweg ihren altertümlichen Charakter bewahrt. Die schmalen Häuschen, die mit der Giebelseite zur Straße stehen, die breiten Einfahrtstore, bisweilen leicht schräg zum Straßenverlauf gestellt, um den Fuhrwerken eine bequemere Einfahrt zu ermöglichen, all das hat in gemütlicher Zeitlosigkeit viele Jahrhunderte überstanden und wird nun bewußt bewahrt.

Übernommen aus: Katalogblätter des Rollettmuseums Baden, Nr. 30, Die Untere Neustift - eine uralte Vorstadt Badens, Dr. Rudolf Maurer, Baden 2001